Wie gehen Sie an die Zusammenstellung des Solarmarkt-Sortiments heran?
Jens Rümmele: Grundsätzlich versuchen wir, für jeden Kunden das anzubieten, was er individuell benötigt. Uns ist eine breite Auswahl wichtig, als Marktführer wollen wir nicht zu spezialisiert sein. Gleichzeitig stellen unsere Kunden natürlich auch hohe Ansprüche an uns. Diese erfüllen wir unter anderem durch die Zusammenarbeit mit namhaften Herstellern – die Top 5 der Welt sind Teil unseres Portfolios.
Nach welchen Kriterien orientieren Sie sich?
Wir stellen uns diverse Fragen bei der Wahl jedes einzelnen Produkts. Ist es spannend für unsere Kunden? Bietet es einen konkreten Mehrwert? Passt es für den Schweizer Markt? Haben wir schon etwas Ähnliches im Sortiment? Können wir den dazugehörigen technischen Support bieten? Da wir für «Kompetenz und Komponenten» stehen, ist es uns natürlich wichtig, nicht nur Produkte zu bieten, sondern auch das für den Einsatz und die Unterstützung unserer Kunden nötige Know-how.
Stichwort Lagerbestände: Wie stellen Sie sicher, dass nicht nur die richtigen Produkte, sondern auch die richtigen Mengen verfügbar sind?
Wir haben unsere internen Zahlen im Blick, tracken beispielsweise Verkäufe, und versuchen vorausschauend zu handeln – also das Angebot für die Nachfrage von morgen zu erstellen. Hier kommt uns sicher unsere langjährige Erfahrung zugute. Gleichzeitig sind wir auch vielen äusseren Einflüssen ausgeliefert. Gibt es beispielsweise Probleme mit Containerschiffen, betrifft dies die Lieferfähigkeit direkt. Verändert China die inländischen Förderbedingungen, verändert dies den ganzen Markt, auch in der Schweiz.
Was ist Ihre Antwort auf diese Ungewissheit?
Uns ist es besonders wichtig, Kunden Lösungen bieten zu können – sollte das eine Produkt nicht erhältlich sein, suchen wir nach guten Alternativen. Dank unserer langjährigen Erfahrung können wir aufzeigen, wie sich auch auf anderem Weg ein gleich gutes Ergebnis erzielen lässt. Zudem sind wir durch unsere Konzernzugehörigkeit auch in der Lage, auf Lagerbestände unserer Schwestergesellschaften zurückzugreifen.
Der Markt verändert sich ständig. Wie erkennen Sie, welche technologischen Entwicklungen Potenzial haben?
Wir tauschen uns regelmässig mit Lieferanten aus und stehen in engem Kontakt mit wichtigen Ansprechpartnern der Branche. Eine zentrale Rolle spielen dabei Hersteller aus China, dem bedeutendsten Markt der Solarbranche. So erhalten wir Informationen zu neuen Technologien und damit verbundenen Potenzialen aus erster Hand. Gleichzeitig können wir auch Rückmeldungen unserer Kunden direkt platzieren.
Welche Innovationen sind aus Ihrer Sicht aktuell besonders relevant?
Die Back-Contact-Technologie bei Solarmodulen. Zum Einsatz kommt sie eigentlich schon länger, bisher aber bloss im Premium-Segment. Seit einiger Zeit ist sie nun im breiten Markt erhältlich und steht mit ihrem hohen Wirkungsgrad entsprechend stark im Fokus.
Speicherlösungen werden in jüngster Zeit immer wichtiger. Welche Antwort hat Solarmarkt auf diesen Trend?
Wir bieten eine Reihe unterschiedlicher Speicher, mit denen der Überschuss des am Tag produzierten Solarstroms in der Nacht genutzt werden kann. Auch Gewerbespeicher, mit denen sich eine Reihe neuer Business Cases umsetzen lassen, gehören zu unserem Angebot.
Gibt es in diesem Sortiment ebenfalls Innovationen?
All-in-One-Speicher sind als technische Weiterentwicklung der bisherigen Speicher relativ neu auf dem Markt. Kompakter, preiswerter und einfacher zu installieren, sind sie gerade für Installateure und Endnutzer interessant. Ich erwarte, dass es hier zu einem Generationenwechsel kommt und in Zukunft immer mehr All-in-One-Speicher zum Einsatz kommen.
Neben Speichern gehört mit SmartGrid One auch ein Steuerungssystem zum Angebot von Solarmarkt. So wollen Sie die Teilnahme am Regelenergiemarkt erleichtern. Worum geht es dabei konkret?
Die Herausforderung liegt heute nicht mehr in der Energieerzeugung, sondern darin, Energie zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben. Energiemanagement wird also immer mehr zu einem zentralen Punkt zur Stabilisierung des gesamten Stromnetzes. Aktuell gibt es hierfür verschiedene Anreizmodelle, damit privatwirtschaftliche Systemkomponenten öffentlich zur Verfügung gestellt werden. SmartGrid One unterstützt dabei, ein optimales Energiemanagement zu erreichen. Wichtig ist dabei, dass die Lösung zukunftssicher ist. Wenn sich der Markt und entsprechend auch die Anreizmodelle verändern, lässt sich auch die Software von SmartGrid One anpassen.
Wenn Sie einen Blick nach vorne werfen: Welche Innovationen werden das Sortiment von Solarmarkt in naher Zukunft prägen?
Ich rechne damit, dass sich die schrittweise Weiterentwicklung der Solarmodule fortsetzt, erste Anzeichen für neue Zell-Technologien gibt es bereits. Zudem wird die Bedeutung von Speichern wahrscheinlich weiter zunehmen. BIPV, also die Integration von Photovoltaik in die Gebäudehülle, kommt ebenfalls immer mehr in der breiten Öffentlichkeit an. Dadurch erwarte ich, dass Solarmodule in Zukunft zur optimalen Einbindung in die Architektur vermehrt farbig angeboten werden und sich Unterkonstruktionen in Richtung noch einfacherer Montage, weniger Material etc. entwickeln. Wie bisher kommt also auch in Zukunft immer etwas Neues, es bleibt spannend!